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Arbeitsfeld Eurythmie im Kindergarten

Fortbildungs Initiative EPEU (Elementare pädagogische Eurythmie)

AKTUELLER BERICHT 10/2016 von Kjell Johan Häggmark

 

Was ist, und wie arbeitet EPEU?

Von Sabine Deimann

Ein sensibles Arbeitsfeld
Alle Kollegen, die mit der Eurythmie im Kindergarten tätig sind, werden es bestätigen, wie herzerfrischend und befriedigend diese Arbeit mit den kleinen Kindern sein kann. Aber auch, dass Einiges an innerer Vorbereitung und Erfahrung dazu gehört, damit das, was so leicht und spielerisch wirkt, auch wirklich jedes Mal aufs Neue gelingen kann. Auch nach vielen Jahren Berufserfahrung ist dies nicht garantiert und immer aufs Neue ist die volle Aufmerksamkeit im Tun und ein Bewusstsein von dem, was man tut und warum man es tut, von uns gefordert. Jedes Mal, wenn ich solch eine Kinderschar am „goldenen Band“ halte und z.B. die Treppe hinauf führe, deren Stufen für sie so hoch und schwer zu überwinden sind, wird mir deutlich, wieviel kostbare Zukunft - die weit über meine eigene hinausreicht! -  ich da gerade an der Hand halte! Die Kinder öffnen sich uns in diesem Alter vertrauensvoll, sind so bildsam und entwickeln und lernen in diesen wenigen (3-4) Jahren so viele wesentliche Fähigkeiten, wie in keiner anderen Zeit ihres Lebens. Demgegenüber wächst bei mir stetig das Gefühl der besonderen Verantwortung, die ich mit der Eurythmie an dieser Stelle habe.
Eurythmie im Kindergarten ist wichtigste Basisarbeit für die Zukunft. Sie sollte uns möglichst gut gelingen! Zum einen und vor allem natürlich für die Kinder, welche dadurch für ihre Entwicklung so sehr profitieren können. Man denke hier an die bemerkenswerte Aussage Steiners: „Wenn man mit kleinen Kindern tanzt (elementare Eurythmie macht), dann können sie eine Ich-Kraft gewinnen, die weder Schulerziehung noch Schicksalsfügung zu bewirken vermögen.“ (aus: „Kind tanzt“ Studienmaterial der internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten Heft 10, Seite 6). Zum anderen wird aber auch für die Eltern, die die Eurythmie und ihre Wirkung unter Umständen durch ihre Kinder hier zum ersten Mal erleben, das Bild von dieser Kunst als pädagogisch wirksames Mittel wesentlich geprägt. Und nicht zuletzt ist eine überzeugende Wirkung der Eurythmie im Kindergarten auch unerlässlich im Hinblick auf die Erzieher und Erzieherinnen, von deren Wertschätzung der Mitmachwille der Kinder so maßgeblich abhängt. Insofern sind „Kindergarten-Eurythmisten“ wichtige Botschafter der Eurythmie an dieser vordersten Front im Leben.

Unterbewertung der Fortbildung?
Man sollte also meinen, dass die Eurythmie-Ausbildung, die inzwischen staatlich anerkannte Abschlüsse bietet, zukünftige Kollegen auf diese besondere pädagogische Aufgabe des ersten Jahrsiebtes entsprechend fundiert vorbereitet. Dies ist leider bis heute nicht wirklich der Fall. Zu kurz ist offensichtlich die Zeit der entsprechenden Zusatzstudiengänge (Pädagogik oder/und Sozial-Eurythmie), um dieses Spezialgebiet der Pädagogik mehr als streifen zu können. Die allgemeine Unterbewertung der Arbeit im Kindergarten in unserer Gesellschaft ist damit leider auch in unserem Eurythmie-Ausbildungs-Curriculum zu konstatieren.
So muss sich immer noch jede/r Kollege/in, der/die im Kindergarten eurythmisch tätig ist oder werden möchte, selber um die notwendige Weiterbildung kümmern. Niemand scheint sich für die Qualitätssicherung in diesem pädagogischen Bereich verantwortlich zu fühlen. Es gibt bislang keine Institution, die Fortbildungen für die Kindergarten-Eurythmie verlässlich organisiert, koordiniert - oder gar fordert. Das heißt, die heutigen Berufsanfänger/innen begeben sich in der Mehrzahl immer noch weitgehend blind in diesen Bereich, wo sie nach dem Prinzip „learning by doing“ – oder„try and error“! - ihre Erfahrungen sammeln. Früher war dies zwar der übliche Werdegang, der noch für meine Eurythmisten-Generation zutraf, deren Einstieg in die Kindergartenarbeit nun schon einige Jahrzehnte zurückliegt, - in einer Zeit, wo es noch für kein eurythmisches Arbeitsfeld, außer der Heileurythmie, verpflichtende Zusatzausbildungen gab! – aber allmählich ist da doch eine andere Form der Professionalisierung für unseren Berufsstand anzustreben. Da ist inzwischen so viel an wertvoller Erfahrung gesammelt worden, dass nicht jeder wieder „bei null“ anfangen sollte.
Ein Basiswissen über das 1. Jahrsiebt und die Elementare Eurythmie, sowie ein Bewusstsein im Umgang mit der eigenen Bewegung ist vielmehr vonnöten und bewahrt einen selber - und die Kinder - vor gravierenden Fehlern und Enttäuschungen. Im Grunde sind da nicht nur pädagogisches Gespür, sondern zunehmend auch therapeutische Kenntnisse angebracht. Die Frage ist jedoch, wohin wendet man sich heute, wenn man fundierte Fortbildung in dem Bereich sucht?

Eine „Ära“ geht zu Ende
Weit über zwanzig Jahre lang fand bislang in Stuttgart das einzige regelmäßige Fortbildungsangebot für „Kindergarten-Eurythmisten“ statt. Früher als eigene Kindergarten-Eurythmie-Tagung im größeren Stil organisiert, wurde diese später der Herbstfachtagung für Erzieher/innen am dortigen Kindergartenseminar angegliedert. Lange gehörten Elisabeth Göbel und Jorinde Stockmar zu den hauptverantwortlichen Dozentinnen. Beide haben inzwischen durch ihre Veröffentlichungen für eine deutliche Bereicherung der bis dahin sehr dürftigen Fachliteratur gesorgt. Wie bei den Eurythmie-Ausbildungen war jedoch auch in Stuttgart in letzter Zeit ein allmählicher Teilnehmer-Schwund zu verzeichnen und im Oktober letzten Jahres musste diese Traditions-Fortbildung für Eurythmisten mangels Anmeldungen erstmals abgesagt werden. Dies wurde zum Anlass dafür, dass sich ein, durch Dietlinde Hattori alarmierter, kleiner Kollegenkreis begann, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie in Zukunft die Fortbildung für dieses Arbeitsfeld aussehen kann. Eine ganze Reihe von Fragen hängt damit zusammen, über die wir uns über Wochen im Vorfeld ausgetauscht haben, bevor wir im Februar dieses Jahres zu diesem Thema ein erstes Treffen hatten. Kjell Johan Häggmark (Hamburg) und Dietlinde Hattori (Stuttgart) trafen sich bei Sabine Deimann in Alfter– zwei weitere Kolleginnen, Gila Rebmann aus Flensburg und Waltraud Grillmayr, ebenfalls aus Stuttgart, waren kurzfristig erkrankt.
Eine gemeinsame „Analyse“ zu Beginn machte deutlich: der Waldorf-Kindergarten ist ein wichtiges Arbeitsfeld vieler selbständig arbeitender Eurythmisten. Der Berufsverband der Eurythmisten in Deutschland (BVE) hat sich sehr darum bemüht, hier gute, äußere Arbeitsbedingungen zu schaffen in Form von Musterverträgen, einer angemessenen Honorarempfehlung und umfassender Beratung, wobei es bislang keiner speziellen eurythmischen Zusatzausbildung für diesen Bereich bedarf. Hier können also äußerer Anspruch und tatsächliches Knowhow manchmal auch auseinander klaffen. Außer in Stuttgart gab es ab 2009 auch in Mannheim in zweijährigem Turnus Fortbildungen, die aber auch zuletzt weit weniger Teilnehmende als notwendig hatten. Der Berufsverband der Eurythmisten (BVE) hatte über einen Zeitraum von 8 Jahren (1990-98) für die Mitglieder ebenfalls Fortbildungen für die Kindergarten-Eurythmie organisiert, später ließ das Interesse daran nach. Weitere Fortbildungen wurden regional und eher sporadisch angeboten, z.B. von der Alanus- Hochschule oder anderen Eurythmie-Ausbildungen organisiert, oder auch privat. Aber auch das findet kaum noch statt.
Aktuelle Fortbildungssättigung - zukünftiger Nachwuchsmangel
Ein Grund hierfür ist vermutlich, dass der überwiegende Teil der in Waldorfkindergärten tätigen Eurythmisten (wie übrigens auch in den Schulen!) bereits um die fünfzig Jahre alt oder älter ist und sich vermutlich durch langjährige Berufserfahrung, sowie verschiedenste Fortbildungen im Laufe der Zeit die entsprechende Kompetenz erworben hat. Fortbildung in der bisher üblichen Form scheint da kaum noch angemessen. Der tatsächliche Nutzen wiegt  unter Umständen den finanziellen und zeitlichen Aufwand nicht mehr auf. Vielmehr könnte der ein oder andere Kollege sich umgekehrt berufen fühlen, inzwischen eigene Erfahrungen weiter zu geben. Für grundlegende Fortbildung gibt es da verständlicher Weise keinen Bedarf mehr – dafür aber womöglich für Gelegenheiten zum Fachaustausch.
Demgegenüber wird es aber an Waldorf-Kindergärten, wie auch an Waldorfschulen, im Laufe der nächsten zehn Jahre ein deutlich spürbares Nachwuchsproblem für die Eurythmie geben. Das heißt, es gibt in jedem Fall einen Fortbildungsbedarf – allerdings  in einem zahlenmäßig weit geringeren Umfang als früher. Auch aktuell fragen junge Berufseinsteiger immer wieder dringend nach Fortbildungen. Diese sind allerdings eine veränderte, moderne Ausbildungskultur gewöhnt und haben diesen Anspruch auch an die Konzepte und Vermittlungsmethoden einer erwachsenengemäßen Fortbildung.

Was ist also zu tun?

Wir möchten als eine erste Aktion einen Fragebogen im Umlauf bringen. Wir nennen ihn Frischer Wind für die Kindergarten Eurythmie. Wir wenden uns hiermit an alle Kolleginnen und Kollegen, die aktuell in Kindergärten tätig sind und bitten um Ihre Mithilfe bei der Frage, wie in Zukunft eine grundlegende Einführung sowie zeitgemäße, aufbauende Fortbildungen für diesen speziellen pädagogischen Bereich der elementaren Eurythmie im Vorschulalter aussehen können.
Für manche von uns ist dieses Arbeitsfeld nur ein Teilbereich der gesamten Tätigkeit. Jedoch erfordert die besonders schöne Arbeit mit den kleinen Kindern vor der Schulreife zugleich auch eine besondere Kompetenz und Verantwortung.
Wir meinen, dass die Kindergarten Eurythmie im Hinblick auf Fortbildung und Qualitätssicherung nicht länger eine Art Nebenschauplatz bleiben kann. Ein entsprechendes Fortbildungsangebot sollte aber zum einen zeitlich überschaubar bleiben und möglichst optimal an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst sein. Viel Kompetenz und individuelle Erfahrungsschätze haben sich überdies bei so mancher Kollegin, wie manchem Kollegen angesammelt! Damit Eurythmie im Kindergarten wirklich und  immer besser gelingt – und ihre stärkende Wirkung auf die zukünftigen „Ichkräfte“ der Kinder zum Tragen kommen kann  – möchten wir Möglichkeiten schaffen, uns gemeinsam zu „bereichern“. Dafür wüssten wir gerne:

  • Welche Bedürfnisse, Ideen und Wünsche haben Sie selber in der Richtung?
  • Welche Themen und aktuell brennenden Fragen treiben Sie um?
  • Möchten Sie vielleicht selber mit eigenen Schwerpunkten/ besonderen Erfahrungen in bestimmten Bereichen etwas beitragen?
Um uns in Zukunft leichter vernetzen und Informationen künftig direkt an Sie schicken zu können, wollen wir zunächst die Daten aller aktuell im Kindergarten tätigen EurythmistInnen erfassen. Dazu bitten wir Sie den Fragebogen auszufüllen und danken Ihnen im Voraus für Ihre Mitarbeit!

 


 

 

Foto: Sandra Then, Bonn

 

 

Foto: Charlotte Fischer

Fragebogen